Unsere Ziele
Unsere Perspektiven und Ziele

Ziele des Vereins "Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik"

Das zentrale Ziel unseres Vereins ist, theoretische und praxisbezogene forschungsbasierte Analysen und Publikationen zu erarbeiten, die einen Beitrag dazu leisten, die Vermittlung von hegemonialen Sprachen in migrationsgesellschaftlichen Kontexten auf eine Art und Weise didaktisch und pädagogisch zu gestalten, dass sprachbedingte soziale Ungleichheiten verringert werden können.

Handlungsleitend ist dabei eine migrationspädagogische Perspektive.

Migrationspädagogik bezeichnet einen Blickwinkel, unter dem Fragen gestellt und bedeutsam sind für eine Pädagogik unter den Bedingungen einer Migrationsgesellschaft. Der Fokus auf "Migration" statt auf "Kultur" dient einer Perspektive, die von vornherein anzeigt, dass die Einengung auf eine kulturelle Betrachtung der mit Wanderung verbundenen Phänomene unangemessen ist. Die migrationspädagogische Perspektive ist eine Offerte zu einer Praxis (des Denkens, Sprechens und Handelns), die von der Überzeugung getragen ist, dass es sinnvoll ist, nach Handlungs-, Erfahrungs- und Denkformen, die weniger Macht über Andere ausüben, Ausschau zu halten und sie wirklich werden zu lassen.

Die Art der Kritik, die den migrationspädagogischen Ansatz kennzeichnet, kann in einem allgemeinen Sinn als suchende, notwendig reflexive, beständig zu entwickelnde und unabschließbare, gleichwohl entschiedene Praxis bezeichnet werden.  Diese Art der Praxis zielt darauf, nicht dermaßen auf symbolische, räumliche, institutionelle Einteilungen von Menschen angewiesen zu sein, die ihre Würde und ihr Handlungsvermögen beschneiden (vgl. Mecheril u.a. 2010, S. 19).

Wir möchten diese Perspektive konturieren, diskutieren und sie daraufhin befragen, was sie für das Handeln im Feld der Zweitsprachdidaktik bedeuten kann - in Forschung, Lehre und in der Praxis des Unterrichtens. Dabei gehen wir zwar von der Didaktik des Deutschen als Zweitsprache aus, haben aber eine dezidiert internationale Ausrichtung und führen im Rahmen der Vereinsarbeit einen internationalen Austausch zur Zweitsprachendidaktik unter der Perspektive der Migrationspädagogik. Wir interessieren uns also auch für die Zweitsprachdidaktiken, wie sie in weiteren Migrationsgesellschaften bzw. nationalstaatlichen Kontexten, wie z.B. in Schweden, Großbritannien oder der Türkei bearbeitet werden.

Darüber hinaus möchten wir die zweitsprachdidaktische Arbeit unter einer migrationspädagogischen Perspektive in die Praxis übersetzen und führen dazu Kooperationsprojekte mit Bildungseinrichtungen durch. Geplant ist außerdem die Einrichtung einer internationalen peer-reviewten Zeitschrift zur Migrationspädagogischen Zweitsprachdidaktik.

Ziel ist es, dazu beizutragen, Benachteiligungen entgegenzuwirken, die Menschen, die sich Deutsch als eine Zweit- oder weitere Sprache aneignen, im Vergleich zu jenen erfahren, die als mit Deutsch als Erstsprache gelten. Da die aus der (amtssprachlichen) Dominanz des Deutschen erwachsenden Nachteile auch durch die Nutzung der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit reduziert werden können, werden auch methodisch-didaktische Vorgehensweisen zur Verwendung und Nutzung der Migrations- bzw. Minderheitensprachen ausgearbeitet bzw. reflektiert.

Da der Begriff "Deutsch als Zweitsprache" als Bezeichnung für den persönlichen Sprachbesitz inferiorisierende Effekte für als DaZ-SprecherInnen geltende Personen nach sich ziehen kann, ist er mit Bedacht zu verwenden. Bewusst sind wir uns auch darüber, dass Deutsch bei der Aneignung schon die dritte, vierte, xte Sprache sowie die dominante Sprache sein kann. Wir haben uns - dies reflektierend - dennoch aus pragmatischen Gründen für die Verwendung des Begriffs "Zweitsprache" entschieden, da dieser im internationalen Diskursfeld anerkannt ist. In unseren didaktischen Arbeiten, Schriften, Projekten und Kooperationen fließen diese Überlegungen jedoch immer wieder mit ein.